Galerie Pich präsentiert: Wolfram Kastner    

Wir erinnern      München, 1993, 1995
Foto


      weitere Beispiele      

Eine Erinnerungsperformance zur Reichspogromnacht initiierte der Münchner Künstler Wolfram Kastner. Zwei Männer in SA-Uniform (Heinz Huber, Georg Schramm) führten fünf Personen (Wolfram Kastner, Edgar Liegl, Brigitta Oberhauser, Hiltraud Pusch-Zilker, Peter Thalheim) mit dem Davidstern durch Münchens Innenstadt. Die Polizei sah in der Aktion eine unangemeldete Demonstration und nahm Kastner und seine sechs Kollegen fest. Vom Hinweis der Veranstalter, dass es sich um eine nicht genehmigungspflichtige Kunstaktion handele, ließen sich die Ordnungshüter nicht beeindrucken. "Was damals vor aller Augen geschah, daran ist heute vor aller Augen zu erinnern - ohne zu verharmlosen oder aufzubauschen, und ohne ein falsches Bemühen um volle Authentizität. Den Transfer zu heute muss jeder selbst herstellen." (Wolfram Kastner)

Königsplatz München

Der Staatsanwalt stellte dreimal Strafantrag gegen Wolfram Kastner wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie wegen des Tragens verbotener Abzeichen.

Das Baureferat der Landeshauptstadt München wies den Antrag auf Genehmigung einer ähnlichen Kunstaktion ab, mit der Begründung, die "körperliche und seelische Unversehrtheit" von Passanten sei damit gefährdet, da sie nicht unterscheiden könnten, ob es sich bei dieser Erinnerungsperformance um Realität handele.

Als die Presse diese Zensur kritisierte und die grüne Bürgermeisterin sich für die Genehmigung stark machte, nahm der Oberbürgermeister das Verbot zurück.

Daraufhin floh der Richter vor der von ihm angesetzten Verhandlung und der Staatsanwalt erkannte bei so viel Öffentlichkeit "kein öffentliches Interesse mehr an der Strafverfolgung".

Als ein anonymer Drohbrief an die Frau eines Bekannten einging, interessierten sich dafür weder der Staatsanwalt noch die Stadtverwaltung.

Bei der Erinnerungsperformance zum 30. Januar 1995, an der sich auch der ehemalige KZ-Häftling Bertl Lörcher beteiligte, wurden wir von 20 zivilen Polizisten umringt, ständig von einem Kameramann der Polizei gefilmt und von einem uniformierten Streifenkommando gestoppt. Wir konnten zwar auf Intervention der Politischen Polizei die Aktion zunächst fortsetzen, wurden aber nach 45 Minuten zum Abbruch gezwungen, mit dem Hinweis "so jetzt habt's euern Spaß gehabt; jetzt reicht's".

Wolfram Kastner




^ Seitenanfang