Süddeutsche Zeitung vom 31.08.2009:    zurück zur Presse-Übersicht


Abschied von der Birne

Die Glühlampen verschwinden nach und nach vom Markt
Von Johannes Boie


Die Sentimentalität ist groß, die Verunsicherung auch. Ab diesem Dienstag soll's das gewesen, das mit der guten, alten Glühbirne. Aber: Welche Birnen sind eigentlich betroffen?

Ab dem 1. September müssen alle klaren Glühlampen mit 80 oder mehr Watt aus den Regalen der Händler verschwinden. Dazu gehört auch die Standard-Birne vieler deutscher Haushalte, die 100-Watt-Glühbirne. Mattierte Lampen, die nicht die Energieklasse A besitzen, werden vollständig verboten. Die Markteinschränkungen werden dann alle zwölf Monate auf weitere Birnen mit anderer Wattzahl ausgeweitet. Bis 2012 werden alle Glühlampen bis sieben Watt aus dem Handel verbannt sein. Von der Regelung nimmt der Gesetzgeber nur Speziallampen aus: für Backöfen oder Wärmelampen zum Beispiel. Die müssen aber besonders gekennzeichnet werden.

Für den alltäglichen Gebrauch bleiben am Ende nur noch Energiesparlampen übrig, so die Intention der europäischen Gesetzgeber. Diese Birnen sind wesentlich teurer, halten dafür aber bis zu 15 Mal länger durch als herkömmliche Lampen. Dadurch amortisieren sich die höheren Anschaffungskosten in der Regel nach wenigen Jahren.


Auch Halogenlampen sind vom Verbot betroffen. Bei ihnen kommt es auf das sogenannte Energielevel an, das auf der Verpackung der Lampen zu finden ist. Halogenbirnen mit dem Level D werden genau wie Glühbirnen Schritt für Schritt nach ihrer Wattzahl aussortiert. Niedervolt-Halogenlampen, wie sie zum Beispiel in Klavierlampen häufig zu finden sind, dürfen weiterhin verkauft werden.


Sämtliche Birnen, die bereits verkauft sind, dürfen weiterhin verwendet werden. Wer einen Vorrat zu Hause hat, muss sich keine Sorgen machen. Von den neuen Vorschriften sind also in erster Linie Hersteller und Händler betroffen. Übrigens: Den Produzenten schreibt die Richtlinie in Zukunft auch vor, wie sie ihre Birnen zu verpacken haben.


Auch wer keine klassischen Birnen mehr zu Hause hat, muss sich keine Sorgen machen. Fast alle großen Birnenhersteller wie Philips oder Osram bieten bereits seit Jahren Energiesparlampen für sämtliche bestehenden Fassungen und in allen gängigen Formen an. Dennoch fürchten sich besonders in Deutschland viele


Menschen vor der Umstellung. Energiesparlampen leuchten in der Regel in den ersten Minuten nach dem Einschalten weniger stark - und ihr Licht wird von vielen Menschen als kühl empfunden. Mittlerweile haben die Hersteller reagiert und Energiesparlampen mit wärmerem Licht auf den Markt gebracht.


Warum aber lässt das Europäische Parlament den Deutschen ihre geliebte Glühbirne nicht? Weil Straßburg möchte, dass in Europa Strom gespart wird. Deshalb wurde die Richtlinie, die übrigens bürokratisch genau 2005/32/EG heißt, am 6. Juni 2005 verabschiedet. Damit werde eine erhebliche Senkung des Energieverbrauches in Europa angestrebt. Tatsächlich ist das Sparpotential enorm. Intern wird beim Glühbirnenhersteller Osram mit einem weltweiten Einsparpotential von über 900 Milliarden Kilowattstunden gerechnet.

Johannes Boie