Süddeutsche Zeitung vom 10.Februar 2009:      zurück zur Presse-Übersicht

Glühen oder nicht glühen?

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments stellt das Verbot der konventionellen Birne wieder in Frage

Von Cerstin Gammelin


Brüssel - Darf die Glühbirne weiterhin europäische Wohnungen erhellen oder nicht? Diese Frage beschäftigt an diesem Mittwoch erneut das Europäische Parlament. Fastgenau zwei Monate, nachdem EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten eine eindeutige Verordnung verabschiedet hatten, mit welcher der Abschied von der Glühbirne beschlossen wurde, stimmt nun der Umweltausschuss darüber ab, ob das Verbot überdacht werden soll. Votiert der Ausschuss dafür, soll das Europäische Parlament im März erneut über die Zukunft der Glühbirne entscheiden.

Insbesondere britische und deutsche Volksvertreter haben so lange gezündelt, bis der alte Streit um effiziente Leuchtkörper erneut aufgeflackert ist. Am 8. Dezember 2008 hatte ein Expertenausschuss in Brüssel Mindeststandards für Glühlampen beschlossen. Danach sollten bis 2012 schrittweise Birnen mit niedriger Wattzahl wegen Ineffizienz vom Markt verschwinden. Alle waren sich einig, dass Stromkunden mehr als 5 Milliarden Euro sparen würden, wenn sie künftig Effizienzleuchten benützten, außerdem, so die allgemeine Überzeugung, sinke der Ausstoß an Kohlendioxid damit um 15 Millionen Tonnen.

Das faktische Verbot der Glühbirne gehört zur Effizienzstrategie der Europäischen Union. Über neue technische Standards will Brüssel nach und nach ineffiziente Geräte wie Glühbirnen aber auch Waschmaschinen, Kühlschränke, Heizgeräte oder Geschirrspüler aus den Geschäften verbannen. Bis 2020 sollen 20 Prozent des Energieverbrauchs durch erhöhte Effizienz eingespart werden.

In Großbritannien wehren sich vor allem europaskeptische Abgeordnete wie Roger Helmer oder John Bowis dagegen, dass Brüssel wieder mal etwas verbieten will. In Deutschland avancierte die Glasbirne mit dem Glühfaden inzwischen zum Wahlkampfthema. „Wir müssen das Verbot zurückrufen", sagt Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im EU-Parlament und Spitzenkandidat für die Europawahl im Juni. Dass Deutschland sich bislang für das Verbot der Glühlampe eingesetzt habe, so Ferber, sei dem ordnungspolitisch nicht sauber aufgestellten Wirtschaftsministerium" zu verdanken. Dort hätten die zuständigen Sachbearbeiter einer starken Herstellerlobby nachgegeben anstatt auf Wettbewerb zu setzen. „Das müssen wir transparent machen", findet der Abgeordnete. Der Nordrhein-Westfale Peter Liese (CDU) der für die Unionsgruppe im Umweltausschuss des EU-Parlaments sitzt, arbeitet hingegen daran, „dass im Grundsatz alles bleibt, wie es ist".

Es ist vor allem Lieses Verdienst dass Brüssel überhaupt Standards für Beleuchtung erlassen hat. Vor mehr als 14 Jahren hatte er Kommissionsbeamten erstmals die Idee vorgetragen, Standby-Schaltungen effizienter zu machen. Seither hat der Abgeordnete mit unglaublicher Geduld dazu beigetragen, einen Standard nach dem anderen durchzusetzen - auch den für Lampen. „Wäre uns Herr Liese nicht so auf die Nerven gegangen, hätten wir das nie gemacht", zitiert er selbst gern Kommissionsbeamte.

Stromsparen durch effiziente Beleuchtung - das war der Plan.
Foto: dpa

Süddeutsche Zeitung vom 10.Februar 2009