Brief an das Bundesumweltamt

von Dipl.-Ing. Peter Kuhlow, Elektrowärme, Parchim

Glühlampe – pro und kontra


Die euphorische Kampagne gegen die Glühlampe soll den Weg frei machen für die „Energiesparlampe“. Dabei wird von einer Betrachtungsweise ausgegangen, die beim Verbraucher Unsicherheit schafft und Panikkäufe auslöst.

Viele kritische Stimmen äußern Bedenken gegen diese Art der Kampagne (u. a. EU-Regeln vom 1.9.2009, 1.9.2010). In der SVZ vom Freitag, 8. August 2010, Seite 8, ist zu den Angaben des Umweltbundesamtes zu lesen:

„Nach den Beispielrechnungen wandeln die Energiesparlampen etwa 25 % der Energie in Licht um. Das Einsparvolumen beim Strom (gemeint ist die Energie) wird auf rund drei Viertel geschätzt (!!!). Damit sinken die Stromkosten (gemeint sind die Energiekosten) bei 10000 Betriebsstunden zwischen 49 und 177 Euro, wenn eine alte(?) Glühlampe gegen eine gleich helle hochwertige Energiesparlampe ausgetauscht wird. Beim Austausch aller Lampen würde sich der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid um rund vier Millionen Tonnen verringern.“

Ein Beispiel mit überarbeiteten, realen Werten soll dem Umweltbundesamt zeigen, dass eine von Realitäten losgelöste Betrachtungsweise den globalen Energie- und Umweltproblemen sowie der Lichtqualität wenig nützlich ist.


Tabelle 1: Wohnzimmer, Heizung Thermostat-Regelung, Leuchte mit 3 Lampen etwa gleicher Lichtleistung (60-W-Glühlampe und 15-W-KLL)

Variante A B
Dim. Anzahl Glühlampe Energiesparlampe
Leistung W 3 180 45
Lichtleistung W 3 9 9,45
Differenz (Wärme, Verluste) W 171 35,55
Lampenwirkungsgrad in % 5 21

Energieverbrauch kWh/a:
1.Heizzeit 273 Tage
  4 Benutzungsstunden Std. 1092 196,6 49,1
  nutzbare Heizenergie 186,7 38,8
  Einsparung bei μ = 0,86 217,1 45,1
2.übrige Zeit 91 Tage
  1,5 Benutzungsstunden Std. 136,5 24,6 6,1
  Energieverluste 23,3 4,85
Gesamtenergieverbrauch kWh/a 221,1 55,3
Energieeinsparung: Licht + Heizung 5,6
- davon nur Licht 166,4
- davon nur Heizung 172,0
Energieverluste:
- propagiert % 95 75


Die Betrachtung gilt für beheizte Räume und für einen Wirkungsgrad der Heizungsanlage von 86 %. Was bei Nutzung der mehr als gewöhnungsbedürftigen „Energiesparlampe“ an Elektroenergie eingespart wird, gibt der Verbraucher in der langen Heizperiode als Heizkosten wieder aus. Daran ändert auch die in der Sommerzeit oder in unbeheizten Räumen nur als Lichtquelle genutzte Glühlampe wenig. Hier und nur hier (im Anwendungsfall 11,1 % zeitanteilig) spricht eindeutig der niedrige Lichtwirkungsgrad gegen die Glühlampe.

Im vorstehenden Vergleich wurde nicht berücksichtigt, dass die Wärmeverluste der Kompaktleuchtstofflampe ein wesentlich geringeres Temperaturniveau haben.

Gegen die Energiesparlampe sprechen:

  • die physiologisch ungünstigere Lichtqualität. Die Lichtqualität muss bei der Bewertung der Lichtquellen oberste Priorität haben. Zurzeit entspricht das Lichtspektrum der Glühlampe am ehesten dem Spektrum des Sonnenlichts.
  • die hohe Umweltbelastung (Entsorgung als Sondermüll und dafür erforderliche Aufwendungen, die zum Teil aus Sicherheitsgründen angebrachte Schutzumhüllung senkt die Lichtleistung),
  • beim Betrieb werden vom Elektronik-Vorschaltgerät Phenole und andere krebs- erregende Dämpfe in bedenklichen Mengen frei (Tests im Auftrag des NDR- Verbrauchermagazins „Markt“ an Sparlampen verschiedener Hersteller) [1],
  • die höheren Herstellungskosten,
  • die um etwa 10- bis 20-fach höheren Preise werden real nicht durch die propagierte Lebensdauer (8000 bis über 10000 Betriebsstunden) unter Berücksichtigung der mit fortschreitender Lebensdauer erheblich nachlassenden Lichtleistung kompensiert. Im Übrigen sei daran erinnert, das durch die führenden Hersteller der Glühlampen die Lebensdauer der Glühlampen von früher über 2500 (!!!) auf heute nur noch 1000 Betriebsstunden gesenkt wurden (Umsatz- und Gewinngründe zum Nachteil der Verbraucher),
  • die Herabsetzung der Lebensdauer durch häufige und kurze Schaltzyklen,
  • die stark von der Umgebungstemperatur abhängige Lichtleistung (25 °C 100 %, 0 °C 60 %, - 10 °C 30 %).

Die Hersteller von Kompaktleuchtstofflampen werden sich über die eingeleiteten Maßnahmen der EU freuen. Der Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt zur Liebe muss dringlich geprüft werden, was ihr nützt, damit hinterher nicht das böse Erwachen kommt.

Entwicklungen auf dem Gebiet des LED-Lichtes scheinen eine bessere Alternative zu den „Energiesparlampen“ zu sein, obwohl der hohe Preis nicht sehr förderlich ist. Zurzeit ist das, von wem auch immer initiierte, „Glühlampenverbot“ der EU-Kommission ein Eingriff in die persönlichen Rechte und eine Bevormundung der Verbraucher. Durch euphorische Propagierungen von 80 % Energieeinsparungen und daraus hochgerechnete geringere CO2-Emissionen werden dem Verbraucher Werte vermittelt, die keiner kritischen Prüfung standhalten.

Das EU-Verbot für die Herstellung und den Vertrieb von Glühlampen sollte solange ausgesetzt werden, bis eine echte Alternative zur Glühlampe gefunden ist.

Wenn das Umweltbundesamt mir oder besser den millionenfach betroffenen Verbrauchern nachweist, dass die 44 (?) Mitglieder der EU-Kommission, die für das Glühlampenverbot gestimmt haben, kompromisslos ihre im privaten Wohnbereich genutzten Glühlampen gegen Energiesparlampen (KLL) ausgetauscht haben, bin ich von der Wahrhaftigkeit der Bemühungen des Umweltbundesamtes und der zuständigen EU-Kommission überzeugt.

Als Ingenieur mit 46 Jahren Berufserfahrung, der weltweit viele energieintensive Elektroöfen untersucht und optimiert hat, kann ich die einseitige Betrachtungsweise nicht befürworten.


Parchim, 19.04.2011

Dipl.-Ing. Peter Kuhlow, Elektrowärme

Parchim


Quellen: Fachliteratur Lichttechnik, Internet-Seiten zur Lichttechnik, Pressemitteilungen, ARDtext, NDR FS MV (Nordmagazin 19.03.2011 19:30;

[1] 18.04.2011 20:15 „Gift aus Energiesparlampen belastet Raumluft“), MDR 18.04.2011 22:00

[1] ARDtext Nachrichten Di 19.04.2011: „Energiesparlampen geben Gase ab“

„Energiesparlampen geben beim Leuchten offenbar bedenkliche Gase ab. Tests im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ hätten ergeben, dass Lampen verschiedener Hersteller potenziell krebserregende Dämpfe freisetzen, teilte der NDR mit. Demnach wurden bei den Untersuchungen „deutlich messbare Mengen“ an Phenol festgestellt. Dieser Stoff stehe im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Außerdem seien noch weitere giftige Stoffe entdeckt worden.

Das Umweltbundesamt widersprach dieser Einschätzung. Es gehen keine Gefährdungen von den Lampen aus.“