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contra


"Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei." Art. 5, Satz 3, des GG

Die Tatsache, daß Heatball zu 95% Wärme und lediglich zu 5% Licht ausstrahlt, lässt technisch keinen anderen Schluss zu, als daß Heatball durch eben diese Eigenschaften doch ein Kleinheizungsgerät ist.

Die Bezirksregierung Köln hat kurz nach Beginn der fünften Jahreszeit im Rheinland die zweite Einfuhr von Heatballs am Köln-Bonner Flughafen untersagt.

Da die Entscheidung der Bezirksregierung – die Freigabe zum freien Verkehr auszusetzen – auch eine Begründung haben sollte, um sie beispielsweise nicht willkürlich und schikanös erscheinen zu lassen, ließ die Bezirksregierung die Heatballs, die bekanntlich per Definitionem Aktionskunst und Kleinheizungsgeräte sind, danach prüfen, ob sie die Eigenschaften von Glühbirnen erfüllen.

Nach diesem Zirkelschluß ist zu befürchten, daß nach Willen der Bezirksregierung Köln demnächst die stilvollen Vitraux des Kölner Doms als Fenster auf Gebäudewärmeeffizienz geprüft werden.

Wenn diese Prüfung ergeben sollte, daß die beeindruckenden Vitraux (zu Deutsch: Fenster) die Eigenschaften von Fenstern erfüllen, wird möglicherweise folgerichtig angeordnet, daß sie durch Dreifach-Wärmeschutzscheiben ersetzt werden; oder dürfen sie uns doch als künstlerischer Ausdruck in Form von Fenstern erhalten bleiben?

In diesem Zusammenhang wird die Frage erlaubt sein, warum die Bezirksregierung Köln nicht prüfen ließ, ob die Heatballs die Eigenschaften von Kunstwerken oder Kleinheizungsgeräten erfüllen?

Wovor könnte sich die Bezirksregierung Köln bei einer derartigen Feststellung fürchten?

Graut es ihr vielleicht davor, man könne bei Vorlage eines solchen Prüfungsergebnisses ihr vorwerfen, aus rein politischen Gründen mit Kanonen auf gläserne Spatzen geschossen zu haben, die sich in Lufträumen bewegten, für die die Bezirksregierung nur nebenamtlich zuständig ist?

Denn Heatball ist erklärtermaßen Aktionskunst.

Der Geistesblitz des Künstlers brachte in diesem Werk – in der allzu vertrauten Erscheinungsform eines bekannten Alltagsgegenstandes – die Quintessenz der hoch und mutig, in der Summe hochmutig, überall hierzulande gepriesenen deutschen Leitkultur zum Ausdruck: das Wahre liegt im Umkehrdenken.

Jedem Kunstkenner und Kunstinteressenten kann zunächst nicht entgehen, daß Heatball nicht nur in der Prägnanz seiner Bezeichnung "Heatball" – die Form und Aussage kongenial wiedergeben – sondern auch als Multiple einige Gemeinsamkeiten mit der "Capri-Batterie" des Fluxus-Künstlers Joseph Beuys hat.

Beide Werke lassen auf subtilste Weise die zur Weltsicht gereifte symbiotisch durchdrungene Sinnbildlichkeit des künstlerischen Ausdrucks durchscheinen, in dem Natur und Zivilisation (Capri-Batterie) und Gegenständlichkeit und Deutung (Heatball) jeweils zu einer innovativen Fusion der seit eh und je fälschlicherweise als Gegensatz verstandenen Grundlagen des Kunstschaffens gelangen: die Wirklichkeit der Sinne und der Sinn der Wirklichkeit.

Der nahezu kopernikanische und folglich revolutionäre Ansatz beider Werke liegt in der scheinbar dezidiert zweckentfremdeten Instrumentalisierung eines Gegenstandes zum Ausdruck dessen, was nur des Künstlers Auge sehen kann.

Nach Kant sind die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung auch die Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung (Vorrede der zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft).

Heatball verkörpert den Umkehrungsgedanken und macht ihn als Aktionskunst für jeden Besitzer eines Multiple-Exemplars vollziehbar.

Die Übertragung der physikalischen Wärme, die mit der Inbesitznahme eines Heatballs durch den Kunstsammler einhergeht, stellt überhaupt die Aktionskunst dar.

Gleich dem Theater bedarf die Aktionskunst der ihr eigenen Handlung.

Der Mehrwert von Heatball besteht darin, daß der Künstler dem Kunstsammler samt Kunstobjekt jene Möglichkeit der Erfahrung überträgt, die ihn zum Ausführer des Kunstwerkes und zum Vollzieher des Umkehrdenkens machen kann.

Des Ikarus Schicksal mag auch für die Bezirksregierung Köln nicht durch das Sonnenlicht, sondern durch die Sonnenwärme bestimmt gewesen sein.

Und nur die Jecken in Köln, Hochburg des Karnevals, würden möglicherweise in Zweifel ziehen, daß das Licht der Sonne ein Nebeneffekt ihrer Wärme ist.

Im Übrigen, daß die Wärmeausstrahlung oft Licht zum Nebeneffekt hat, wissen die Menschen spätestens, seitdem man das Feuer entdeckt hat.

Nunmehr steht aber fest, daß die Bezirksregierung Köln die Entscheidung getroffen hat, die Heatballs auf gar keinen Fall dahingehend zu prüfen, ob sie die Eigenschaften von Aktionskunst oder Kleinheizungsgeräten erfüllen. Denn das Prüfungsergebnis würde zweifelsohne bestätigen, daß die Heatballs eben diese Eigenschaften erfüllen.

Wenn die Bezirksregierung Köln andererseits das Ausstellen der Heatballs verbietet, erläßt sie schlicht und ergreifend ein Kunstverbot.

Die Tragweite eines Verbotes dieser Art und die Assoziationen, die dadurch hervorgerufen werden, dürften sogar Menschen, die bar jedes Kunstverständnisses handeln, nicht fremd sein.

Die Bundesrepublik Deutschland ist seit ihrer Gründung nicht unbegründet auf das Grundgesetz stolz. Darin heißt es: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei." (Artikel 5, Satz 3, des Grundgesetzes).

Würde Johann Wolfgang von Goethe heute leben, müßte er vermutlich, um zumindest in Köln nicht anstößig zu wirken, seine Erkenntnisse über Licht und Wärme (in "Selige Sehnsucht", West-östlicher Divan) überdenken,

"... kommst geflogen und gebannt,
und zuletzt des Lichts begierig
bist Du Schmetterling verbrannt."

da das Kunstempfinden inzwischen – auch für die Satire – offenbar lieber EU-Normen geopfert wird, die nicht minder von geschäftstüchtigen Lobbyisten auf den Gängen des EU-Parlaments auf den Weg gebracht werden.

Letztendlich bleibt nun festzuhalten, daß die Freiheit der Kunst in Zeiten des politischen Zynismus eines freien Geistes bedarf, der sie als Erwiderung gegen die um sich greifende totale Entmündigung der Menschen und als grundsätzliche Lebenseinstellung freimütig in die Welt zu tragen vermag.

Wer Heatball trägt, trägt schlußendlich die Lightkultur in die Welt!

Ihr
Heatball-Team










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