Ästhetik und Kultur

Die ästhetische Sünde von heute, dass einfach Sparlampen in die Fassung geschraubt werden, die dann aus dem Schirm herausstehen, dürfte in Zukunft vermeidbar sein; Sparlampen werden sicher bald kleiner sein. Aber bei der versprochenen Lebensdauer werden wir diese Hässlichkeit noch lange aushalten müssen.

Ich selbst verwende gerne Glühlampen für meine Leuchten ein. Dabei habe ich beobachtet, dass Schirme, die mit Glühlampen ein angenehmes Licht verbreiten, mit Sparlampen enttäuschend und trostlos wirken.

Natürlich kann man auch für Sparlampen die passenden Leuchten entwickeln, aber es ist falsch, zu behaupten, man könne Glühlampen durch Sparlampen ersetzen. Natürlich wird sich eine Ästhetik der Sparlampen entwickeln, zwangsläufig schon. Aber muss man deswegen die bestehende Kultur vergessen? die bisher entwickelte Ästhetik zerstören?

Mit der Glühlampe verbinden wir Lichtstimmungen, die mit keinem anderen künstlichen Licht erzeugt werden können. Die Nähe dieses Lichts zu natürlichem Licht ist ein Teil der Vertrautheit, die wir empfinden. Gewöhnung und Vertrautheit verleihen der Glühlampe "poetische Qualitäten" (Ingo Maurer im Interview der SZ).

Ein besonderer kultureller Wert ist mit dem kontinuierlichen Farbspektrum der Glühlampe verknüpft: In hunderten von Museen in aller Welt werden Bilder mit künstlichem Licht beleuchtet, aus gutem Grund. Die Bilder sind unter Lichtbedingungen entstanden, die mit der Glühlampe reproduziert werden können. Sie sind mit natürlichem Licht oder mit Kerzenlicht oder seit 100 Jahren auch mit Glühlampenlicht entstanden. Nur mit einer Lichtquelle, die ein kontinuierliches Farbspektrum besitzt, können die Farben "richtig" dargestellt werden. Das Licht von Sparlampen kann nur verschiedene Spektralbereiche wiedergeben, andere nicht. Viele Farben fehlen, der Gesamteindruck ist verfälscht.

Dies gilt nicht nur in Museen, sondern auch im Privatbereich.

Zur Kultur der Glühlampe siehe auch der Artikel von Ulf Erdmann Ziegler in der FAZ vom 21.12.08