Politische Fragen

Die Auswirkungen von Entladungslampen auf das Sehverhalten, die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Gesundheit sind meines Erachtens noch nicht systematisch untersucht worden. Es gibt nur Grenzwerte und Normen, deren Garantie Vertrauen herstellen sollen. Ob diese Grenzwerte alle Kategorien abdecken, die Gefährungspotenzial enthalten, ist zu bezweifeln.

In Anbetracht des Verbots von Glühlampen würde die Sparlampe eine größere Verbreitung finden als bisher. Daher wäre es wichtig für den Verbraucher zu wissen, dass keine Beeinträchtigungen durch Sparlampen zu erwarten sind. Vertrauen sollte nicht durch Werbung induziert werden, sondern durch Aufklärung in pluralistischer Weise erwerbbar sein. Pluralistisch meint, dass alle Meinungen gehört werden. Da zur Strategie großer Konzerne Öffentlichkeitsarbeit zählt, muss klar werden, wie weit deren Informationen durch Eigeninteresse gefiltert sind.

Dass die Strategien von Sparlampenherstellern interessengesteuert sind, ist nachvollziehbar. Wie weit der Einzelne sich deren Positionen zu eigen macht, sollte jedem selbst überlassen bleiben. Oft fehlt es einfach an Informationen, um sich ein Urteil bilden zu können, so dass man auf die Hersteller-Informationen angewiesen ist. Problematisch wird die Strategie, wenn Machtstrukturen wie Konzerne, Verbände, Staaten oder EU diese Interessen mittragen und durchsetzen. Die Geschichte der letzten 100 Jahre ist voll von Entscheidungen, die wider besseres Wissen gegen die Interessen von Verbrauchern, ja der Menschheit getroffen wurden, weil sie den Interessen mächtiger Organisationen oder Staaten dienten. Es gibt keinen Grund zu irgendeinem Vertrauensvorschuss. Vor diesem Hintergrund ist jeder zu kritischem Umgang mit Vorgaben aller Art aufgerufen.

Wenn die auf Krankheitsberichten fußenden Bedenken und Überlegungen von Heilpraktikern und Baubiologen als Scharlatanerie abgetan werden, sollte man sehr genau hinsehen, wer diese Verdikte verhängt.

Verwaltungsvorschriften kommen ohne demokratische Legitimation zustande, ein Fehler, der vor allem an den EU-Strukturen kritisiert wird und zum Unmut großer Teile der Bevölkerung gegen die ganze europäische Idee geführt hat. Da sich die Sachbearbeiter der Verwaltung in jeder Frage sachkundig machen müssen, sind sie auf Informationen angewiesen. Hersteller von Sparlampen sind für sachliche Informationen über diese hervorragend geeignet. Wie sollte man Lobbyarbeit von sachlicher Information trennen?

Freie Fahrt für freie Bürger - dafür gibt es eine Lobby, da spielt die Umwelt keine Rolle, nicht einmal die Sicherheit. Aber im kleinen, beim Stromsparen im häuslichen Bereich, bei meiner eigenen Beleuchtung, da ist auf einmal die Umwelt so wichtig, dass ich Sparlampen verwenden MUSS. Wider besseres Wissen soll ich schlechtere Beleuchtung einsetzen, mir die Augen verderben und bei entsprechender Empfindlichkeit schlimmere Folgen in Kauf nehmen. Tolle Leistung der Lobby. Die Hersteller wissen genau, was qualitativ gutes Licht ist - und sie informieren uns Verbraucher erbärmlich schlecht und einseitig, schlimmer noch: sie täuschen uns mit Begriffen wie Farbwiedergabequalität oder warmweiß usw. vor, Sparlampen könnten Farben gut wiedergeben oder eine warme Atmosphäre erzeugen.

Ausgerechnet im heimischen Bereich die Glühlampe verdrängen zu wollen, wie soll ich das verstehen? Schließlich sind die Promotoren des Verbots von Glühlampen doch Experten in Sachen Licht – oder vielleicht doch nicht? Nehmen wir an, die Hersteller von Leuchtmitteln hätten damit zu tun: die sind doch sicher Experten in Sachen Licht. Bei dem Forschungspotenzial, das in dieser Branche vorhanden ist, sind sicher alle qualitativen Aspekte von Kunstlicht durchgearbeitet worden. Und angenommen, die Hersteller hätten mit dieser Entscheidung nichts zu tun: dann müssten sie doch sofort dieses Wissen einbringen und das Verbot der Glühlampe zum Wohle des Verbrauchers wieder rückgängig zu machen versuchen. Warum höre ich davon nichts?

Es geht nicht darum, eine Entwicklung wegzuwünschen, am Alten zu kleben, sondern es geht um die Freiheit der Wahl und den sinnvollen Einsatz der jeweils richtigen Mittel.


Dazu eine Karikatur aus der Süddeutschen Zeitung vom 11. Feb. 2009:





 
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