Physiologie und Sehgewohnheiten
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Die Wahrnehmung und Empfindung von Licht ist ein Ergebnis menschlicher Entwicklung. Kunstlicht mit elektrischen Lampen gibt es erst seit gut 100 Jahren; darauf hat sich die Physiologie des Sehens noch nicht einstellen können. Umgekehrt ist der Zusammenhang einleuchtend: künstliches Licht richtet sich nach der Physiologie des Sehens und den Sehgewohnheiten.

Was wir als natürlich empfinden, ist vom Tageslicht und von Lichtquellen, die seit Jahrtausenden zur Verfügung stehen, dem Feuer geprägt. Mittagslicht bei wolkenlosem Himmel hat eine Helligkeit von etwa 100.000 Lux und eine Lichttemperatur von um die 5.600 Kelvin, die Lichtfarbe hat einen hohen Blau-Anteil. Kerzen erreichen 1 Lux (in 1 m Abstand etwa), das Licht hat eine Farbtemperatur von etwa 1.500 Kelvin, die Lichtfarbe hat einen hohen Rot-Anteil. Den in der Natur vorkommenden Zusammenhang zwischen Helligkeit und Lichtfarbe empfinden wir als normal: je heller, desto höher der Blau-Anteil, je dunkler, desto größer der Rot-Anteil. Raumbeleuchtung wirkt bei "gedämpftem" Licht gemütlich, wie bei Kerzenschein mit Farbtemperatur von 1.500 - 2.000 Kelvin.

Die klassische Glühlampe hat eine Farbtemperatur von 2.700 und 600 - 700 Lumen, was in 1 m Entfernung grob gesagt 200 Lux entspricht. Wird sie gedimmt, bekommt das Licht einen höheren Rot-Anteil / eine niedrigere Farbtemperatur.

Das Farbspektrum von Tageslicht hat eine kontinuierliche bruchlose Verteilung der Wellenlängen, es reicht im sichtbaren Bereich vom kurzwelligen (violett)blauen bis zum langwelligen roten Licht. Eine kontinuierliche Spektralverteilung hat jedes Licht, das durch einen glühenden Körper entsteht, sei dieser die Sonne oder eine Kerzenflamme oder der Glühfaden einer Glühlampe. (Bei Entladungslampen ist das anders, siehe nächster Punkt)

Die Wahrnehmung und Beurteilung von Farben ist von Lichthelligkeit und Lichtfarbe abhängig. Ob wir eine Farbe als richtig wiedergegeben empfinden, hängt damit zusammen, in welcher Lichtumgebung wir die Farbe zu sehen gewohnt sind. Kerzenlicht wirkt "schmeichelhaft", weil es die Rot-Töne stärker hervorhebt. Bei Tageslicht sieht die gleiche Komposition von Farben kühler aus, weil die Rot-Töne im Verhältnis nicht so verstärkt werden. Für eine möglichst objektive Beurteilung vergleichen wir die Farbwirkung (z.B. eines Stoffs) im Raumlicht und im Tageslicht.

Hängt die Wahrnehmung von Farben von der Lichtumgebung ab, so kann umgekehrt der Mensch die Farbwahrnehmung relativieren. In der Wahrnehmung werden fehlende Komponenten ergänzt, man sieht sich die Welt zurecht. Ebenso wie man Musik selbst aus dem Telefonhörer hören kann, also bei schlechter Tonqualität, kann man Farbeindrücke auch bei schlechter Beleuchtung "richtig" einordnen. Erst im Vergleich kann man die Qualität beurteilen, also ob Farben richtig wiedergegeben werden bzw. zu sehen sind. Die Farbwiedergabe-Qualität führt zum ersten wichtigen Unterschied zwischen Glühlampe und Sparlampe