Galerie Pich präsentiert: Rafaela Narewski  


Rafaela Narewski: zur Entstehung der Musik- und Zeichenstücke

Schon seit längerem befand ich mich auf der Suche nach möglichst einfachen, möglichst klaren und übersichtlichen Zeichen. Sie sollten ganz einfach und selbstverständlich wirken, eine Sache für sich sein und sie waren, wie sich herausstellte, nicht leicht zu finden. Gleichzeitig beschäftigte mich mein unterschiedliches Körperempfinden beim Zeichnen und beim Musiküben.

Das Zeichnen hat oft mit einem Abtauchen und "zum-Ende-wieder-Aufwachen" zu tun, während das Musizieren bei mir mit einer größeren körperlichen Wachheit einhergeht. Dies zeigt sich v.a. in einem "Es-genießen-zu-können, -eine-Stelle-immer-wieder-zu-üben".

Auf diesem Hintergrund entstanden dann die Zeichenstücke: Es sind einfache, übersichtliche Gebilde, die wie ein Musikstück immer wieder geübt, d.h. immer wieder gezeichnet und neu interpretiert werden können. Statt Noten gibt es einen Text, der die Vorgehensweise beschreibt.

Die Erfindung des Zeichens und des Zeichenablaufs entspricht somit in etwa dem Komponieren eines Musikstückes, während das Zeichnen dem Vorgang des (durchaus auch improvisierenden) Musizierens nach Noten entsprechen würde. Das häufige Wiederholen ein und desselben Elements hat etwas sehr Meditatives, das sich auch innerhalb der Stücke findet: So z.B. in der Bewegung der Schlängellinie.

Hier kommt für mich das zum Tragen, was mich persönlich immer wieder fasziniert: Die winzigen Unterschiede und Verschiedenheiten in ganz kleinen Bereichen. So war es auch naheliegend, die Zeichenstücke wie Musikstücke von anderen ausführen zu lassen. Auf diese Weise wird eine Verschiedenheit und Vielfalt erzeugt, die mir selbst zu erzeugen völlig unmöglich wäre. So wie auch jedes Spielen eines Musikstücks sowohl von einem selbst als auch von anderen immer wieder anders ist.


Wie geht Rafaela Narewski vor?


Sie behandelt Malerei so abstrakt, dass eine Parallele zum Komponieren von Musik entsteht. Bei den Zeichenstücken handelt es sich um Figuren, die die Künstlerin auf der Suche nach einfachen und klaren Formen entwickelt hat. Bei dieser Suche hat sie festgestellt, dass es nicht so selbstverständlich ist, einfache Formen gut auszuführen. Es gehört auch hierbei Konzentration und Übung dazu. Im Prinzip ist mit dem Üben schon die Parallele zur Musik angelegt: die Ausführung ist von der Schöpfung getrennt, sie folgt einem Plan oder Regelwerk, das vorher zusammengestellt wurde. Dass Komponist und Interpret verschiedene Personen sein können, ist dann nur folgerichtig. In der Praxis zeigt sich, dass die Interpretationen eines Zeichenstückes sich von einander unterscheiden, wie wir das von der Musik kennen.

Diese Trennung von Komponist und Interpret verlangt eine Zurücknahme der Person des Künstlers, die es vor allem dem Zuschauer schwer macht. Der Künstler tut es aus freien Stücken, er kennt den Weg, der ihn dorthin geführt hat. Der Zuschauer ist es nicht gewohnt, etwas wert zu schätzen, das ja jeder kann. Den Sinn für die Unterschiede bekommt man erst beim Üben. Damit ist man auf dem Weg der meditativen Hingabe und somit nahe an der Einstellung zum Werk, die Rafaela Narewski zu dieser Kunst geführt hat.

Peter Pich


Beispiele

Beispiele:

"Der Korb II"

Von unten beginnend schlängelt sich eine Schlängellinie ohne abzusetzen Reihe für Reihe nach oben, wobei sich die Ausbuchtungen immer berühren.

Ist ein ansehnliches Stück geschafft, schlängelt sich die Schlängellinie nun ohne abzusetzen auch um die linke und rechte Seite des Gebildes, auf einer Seite mehr als auf der anderen. Einmal kann auch an der Unterkante vorbeigeschlängelt werden.

Die Henkel sind zwei eigene abgesetzte Schlängellinien, die ganz am Schluß hinzugefügt werden.

That's it!

Viel Spaß!


"Das Boot"

Man beginnt mit einem angenehm großen, annähernd quadratischen Rahmen.

In die Mitte wird nun aus zwei kurzen, geraden und parallelen Querstrichen und zwei langen, je nach außen gebogenen Längsstrichen eine längliche geschlossene Form gezeichnet. Rechts werden zwei, links eine senkrecht vom Objekt wegführende Linie hinzugefügt, an deren offenen Enden je ein Oval angebracht wird.

Um diese Ovale werden nun nach und nach, jeweils vom Verbindungsstrich ausgehend, dazu konzentrische Ovale gezogen. Dabei wandert man von Oval zu Oval: D.h.: Erste Umkreisung von Oval1, erste Umkreisung von Oval2, erste Umkreisung von Oval3; zweite Umkreisung von Oval1, zweite Umkreisung von Oval2, zweite Umkreisung von Oval3; dritte Umkreisung von Oval1, ... .

Ist der Rahmen voll, ist das Spiel beendet.

That's it!

Viel Spaß!







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