Galerie Pich präsentiert: Verena Mayer-Tasch       Ausstellung 2.2.- 12.03.06

Süddeutsche Zeitung vom 28.11.2005 - Bericht von Barbara Könneke

Mit den Augen eines Kindes

Verena Mayer-Tasch stellt ihre Riesenspielzeuge aus

Raisting • In einer gehetzten Welt versuchen die Menschen ständig ihrem Glück hinterher zu rennen, meint Verena Mayer-Tasch. Man glaube sich Wohlbefinden erkaufen zu können. Da wirken ihre Riesenspielzeuge aus Sandstein und Hanf, ein Jojo so groß wie ein Autoreifen, ein fünf Meter langes Springseil und ein überdimensioniertes Diabolo beinahe wie Mahnmale, eine eindringliche Aufforderung, stehen zu bleiben und die Dinge mit den Augen eines Kindes zu betrachten.

Seit fünfzehn Jahren lebt und arbeitet Verena Mayer-Tasch, die in Landsberg geboren und am Ammersee aufgewachsen ist, mit ihrer Familie in der Toskana. - Nach zahlreichen Ausstellungen in Italien (…) ist dies die erste Präsentation ihrer Werke in Deutschland. Die Künstlerin - hat die inspirativen Materialien ihrer jetzigen Heimat mitgebracht: Weißer Marmor aus Carrara, der Ort, an dem Mayer-Tasch auch ihr Bildhauerstudium absolviert hat, erzeugt kühle Eleganz. Fruchthölzer, Oliven - und Kastanienholz verbreiten die Sonne und das wärmende Leben des Südens. Zwei hoch auf ragende Throne aus grauem Stein laden den Besucher ein, einmal König und Königin zu sein. Ein Tischchen aus Marmor, Glas und Blattgold mit verschiebbaren Elementen zum Spielen fordert dazu auf, Hast und Banalität des Alltags vergessen.

„Beim Spielen erlebt man einen Zustand der Klarheit und des Glücks“, sagt Mayer-- Tasch. Um dem Betrachter auf die Sprünge zu helfen, fertigt sie bewegliche Spielobjekte, die sich an Kugeln über Holzschienen führen lassen oder eine drehbare, mit Blattkupfer belegte, höchst kostbar aussehende Kratzbürste, über deren Funktion man rätseln mag. Im Zweck nicht festgelegt, Fantasie anregend und ästhetisch sind die Spielsachen Mayer-Taschs. Dinge des täglichen Lebens nimmt die Bildhauerin aus ihrem gewohnten Zusammenhang, vergrößert und ästhetisiert sie mit kunstvoller Bearbeitung und teurem Material. Da wird der Tintenlöscher zur Marmorskulptur, eine Halskette, auf das Vielfache ihrer Größe angewachsen, zu einem beeindruckenden Monument aus Holz und Eisen.

Ein Kind in einem Museum wäre vom Absperrseil fasziniert, nicht vom Kunstwerk, behauptet die Bildhauerin. So verwandelt sie das Gebrauchsobjekt in ein Kunst- objekt. Bis in die kleinsten Windungen hat sie die Museumsleinen aus Holz nachgebildet. Entstanden sei „so etwas wie eine Täuschung“, sagt Mayer-Tasch.

Dass für die Bildhauerin, wie sie sagt, das Glück keineswegs im Nichtstun liegt, erkennt man an der Intensität, mit der sie an ihre Arbeit herangeht. Handwerkliche Qualität ist dabei ein wichtiger Aspekt.

BARBARA KÖNNECKE





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