Das Wesen des Baumes
Gerd Jäger widmet seine künstlerische Arbeit dem wachsenden Holz
SZ Südl. Landkreis, 18.Okt.97. Besprechung der Ausstellung von Gerd Jäger in der Galerie PichKrailling - In der Galerie von Peter Pich in Krailling am Talanger ist ein Wald entstanden. Auf der nicht allzu reichlich bemessenen Fußbodenfläche des Galerieraums erheben sich Stämme, Klötze, Baumleiber von unterschiedlichster Form, Höhe und Farbe. Es sind Arbeiten des in Farchach lebenden Bildhauers Gerd Jäger.
Jäger, als Sohn eines Försters im Schwarzwald aufgewachsen, ist tief verbunden mit seinem Material, dem Holz. Daß es dies sein mußte, die Arbeit mit dem Holz, stellte sich erst heraus, als er in Nürnberg an der Akademie mit der Malerei nicht ganz glücklich geworden war und schließlich nach München wechselte, um dort Meisterschüler in der Bildhauerklasse von Professor Jacobsen zu werden. 1966 begann er auszustellen, 1972 holte ihn der Kunstverein Rosenheim, 1980 bekam er ein Förderstipendium der Stadt München und 1987 den Schwabinger Kulturpreis.
Gerd Jäger ist ein Waldmensch geblieben. Er tut dem Stamm, mit dem er arbeitet, keinen Zwang an, verfremdet ihn nicht. Ganz und gar aufrichtig von seinem Wesen her kann er seinem Material nur so begegnen, daß er das Wesen des Baumes seinerseits, dessen existentielles Prinzip, verwandelt und auf die Ebene der Kunst hebt.
Winddruck, Steine im Untergrund, Hanglagen und andere Bedingungen mehr bringen es mit sich, daß der Baum nicht gerade wächst. So ist es auch mit diesen kräftig auf der Erde aufsitzenden Stelen und Kuben, die Jäger aus dem Holz herausholt. Die Leichtigkeit gesellt sich hinzu, weil die glatt geschliffenen, zum Teil mit Ziegelrot oder Blau leicht lasierten Körper vertikale Kanäle erhalten haben.
Immerhin muß das Wasser nach oben und müssen die Kräfte aus dem verwandelten Himmelslicht nach unten transportiert werden. So entstehen reizvolle Durchblicke, die aber nie Selbstzweck sind. Was Jäger macht, hat immer Sinn, ist immer authentisch.
Ein grob behauener Ulmenstamm liegt neben dem "Wald" am Boden. In Längsrichtung ist eine Reihe großer Quader hineingearbeitet, konsequente Fortführung von Gerd Jägers Thema der raffinierten Binnenstrukturen von morschem Holz, in dem die Ameisen ihren Dienst verrichtet haben. Eine stille, schöne Arbeit, in der Natur und Kunst verschmelzen und über die man nicht viel Worte machen muß.
Den Skulpturen zugesellt wurde eine Reihe von Gouachen in denen sich die Farben der lasierten Objekte wiederfinden, in denen aber auch ein heiliges Rot und ein durch kreisende Lineaturen mit dem Finger in der frischen Farbe aufgesprengtes Schwarz vorkommen. Auch die Bilder sind streng und puristisch, aber dennoch ebenso lebendig wie die Skulpturen.
INGRID ZIMMERMANN
Die Ausstellung kann bis 9. November am Donnerstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr besichtigt werden.